Re: Was stört Euch an .NET?

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Daneben lerne ich Delphi, welches sehr einfach ist und mir alles bietet, was
ich wünsche. Zudem benötige ich nur die kostenlose Turbo Version und ein paar
kostenlose Komponenten. Ausserdem kann ich den Code mit Freepascal bereits
heute in 64 Bit EXE umwandeln.

Hallo,
ich habe es nicht geschafft, jedes Statement zu lesen, das ist sicher eine hochinteressante Frage mit entsprechenden Antworten.
Ich bin auch seit 12 Jahren Delphiprogrammierer. Wahrscheinlich werde ich einige Projekte noch bis zur Rente warten und pflegen, neue Delphi Programme wird es aber nicht mehr geben.

Wir stellen diesen Pfad ein. Nicht weil es etwas gegen Delphi einzuwenden gäbe, der Grund ist der Hersteller. Wir werden diese Dinge unter C# weiterentwickeln. Auch wenn es am Anfang etwas knirscht, weil noch Sand im Getriebe ist, aber so langsam wird das.

Ich könnte es höflich ausdrucken, aber ich kann es auch in einer Kurzform zusammenfassen. Wir haben die Schn... voll von diesem Hersteller. Hier nur ein paar Meilensteine, die Liste ist nicht vollständig, weil ich natürlich nicht Buch geführt habe.

- Es war einmal eine Firma, die Borland hieß
- Die hatte eine tollen Compiler, Pascal 16 Bit. Die Linie wurde eingestampft.
- Dann die Reinkarnation der Sprache als Delphi, MS hat den Wechsel von 2.6 auf 3.0, 5.0... besser hinbekommen, denn letzten Endes konnte man doch alles neu schreiben.
- Man zahlt für den Service pro Frage 69DM. Alles okay
- Wir programmieren tonnenweise Reports mit Quickreport und Delphi2.0
- Nach dem Wechsel von Delphi2.0 auf Delphi 3.0 können alle Quickreportformulare neu gemacht werden, das neue QR ist nicht mehr kompatibel.
- Wir erstellen die ersten QR nun unter Delphi 3 um festzustellen, daß einige Dinge nicht mehr funktionieren.
- Am Ende haben wir die QR aus Delphi 2 in eine DLL gepackt, um sie weiter nutzen zu können.
- Dann kann man 10 Fragen im Bundle kaufen, 699DM. Die nicht genutzten Fragen verfallen nach 2 Jahren.
- Dann gibt Service unter einer 0190 Nummer, eine faire Sache.
- Dann gibt es diesen Service nicht mehr, jetzt zahlt man ca. 450DM pro Frage.
- Dann gibt es diesen Service bei DEC in Holland
- Nun schimpft sich die Bude Inprise und nicht mehr Borland.
- Die Borland Databases Machine hat fürchterliche Fehler. Die Antwort von Inprise, man soll besser etwas anderes nehmen.
- Dann wird offensichtlich an der BDE etwas gemacht. Und wie, ein Prozeß mit ganz, ganz einfachen Tabellen dauert vorher ca. 10-15 Minuten. Nach dem Update dauert er nun 2-3 Stunden. Das war wirklich so.
- Anfrage bei DEC. Der Fall wird untersucht und man bestätigt mir es. Mehr nicht. Für diese Bestätigung berechnet man 450DM.
- Um das Problem zu lösen, schreibe ich ein kleines VFP Programm, die Lösung braucht nun 1-2 Minuten (Minuten und nicht Stunden)
- Dann erscheint Delphi 8, als Dotnet Version. Im Bundle dabei Delphi7. Wir kaufen vorsichtshalber noch einmal den letzten Win32 Compiler.
- Inzwischen heißt das Haus wieder Borland. Ob und wo man dort jemanden erreichen kann, weiß ich bis heute nicht.
- Die Win32 Schiene geht aber nun weiter.
- Nun kaufen wir Delphi2007 und stellen fest, Borland ist nun nicht mehr Borland sondern Codegear.Und unseren Quickreport (wir sollen zwar besser Rave nehmen) gibt es auch noch. Allerdings nur bis Delphi2006, nicht für das Delphi2007. Weil man sich mit dem Hersteller noch nicht geeinigt hat. Also kaufen wir den Quickreport nun auch noch als Vollversion.

Das ist nur ein kleiner Auszug der vergangenen Jahre voller Frust. Borland - Inprise - wieder Borland - Codegear ... hat sich uns als absolut unzuverlässiger Partner dargestellt. Zusätzlich hat man immer wieder das Problem, daß Komponenten für dieses oder jenes Problem massenweise für VB oder C++ angeboten werden, aber nur relativ wenig für Delphi.

Es gibt noch das eine oder andere Forum, wirkliche Probleme bekommt man dort kaum gelöst. Kein Vergleich zu diesen Newsgroups von Microsoft, wo man mir zu verschiedensten Problemen immer helfen konnte. Und in welcher Zeit. Kaum die Enter-Taste gedrückt, ist die Antwort schon fast da.

Die Sachen, die ich in VFP gemacht habe, möchte ich eigentlich nie in einer anderen Sprache machen. Das ist aber nur eine Produktschiene. Die Delphi-Schiene beenden wir, auch wenn es am Anfang etwas schmerzt. Was ist, wenn es morgen etwas Neues gibt, das nur noch unter dotnet verfügbar ist ? Mir fällt kein richtiges Beispiel ein, weil ich kein Hellseher bin. Aber vielleicht etwas wie vor einigen Jahren die OCXse. Dann wird man merken, daß man vielleicht die Zeit verpaßt hat.

Ich bin in einer Branche tätig, in der es um hochsensible Sicherheitstechnik geht. Die Kunden sind tradionell "zurückhaltend" mit neuen Dingen. NAND-Gattergräber werden häufig schon als Teufelswerk angesehen, man setzt lieber hier und da noch ein Relais ein. Wenn es aber um Software auf dem PC geht, dann haben wir unseren beiden größten Konkurrenten deshalb abhängen können, weil die unseren Kunden heute noch DOS-Programme anbieten, die manchmal höchstens teilweise wie Windows Programme aussehen.Das will niemand mehr haben.

C# und dotnet sind mächtige Dinge. Das lernt sich nicht an einem Wochenende und viele Dinge scheinen zu Beginn fürchterlich überflüssig zu sein. Aber das Visual Studio 2005 finde ich einfach super. Eine Sprache für den PC und auch für den PocketPC. Und über den Vergleich der Entwicklungssystem mit denen von z.B. Symbian braucht man wohl nichts zu sagen.

Den Umstieg haben wir bereits vor 3 Jahren beschlossen. Es ist wohl so wie bei den meisten Firmen, daß man durch das Tagesgeschäft oft nicht so beweglich ist, wie man sich das wünscht. Ich denke im Moment treibt einen noch nichts an, aber dotnet zur Seite zu legen und zu behaupten, daß man es nicht braucht, halte ich für gefährlich.

Was mich an dotnet stört ? Es ist mächtig und umfangreich. Die Vorteile scheinen aber zu überwiegen.


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