Re: OT: Bundestrojaner
- From: "Harald M. Genauck" <hmg.ng.entfernen@xxxxxxxxxx>
- Date: Mon, 3 Sep 2007 17:03:54 +0200
Hallo Peter,
Abgesehen davon ist nicht unbedingt jeder
"Terrorist" in der Lage, einen Quelltext mit
klar ersichtlich eingebauter Hintertür umzuschreiben.
Wenn man den Schreckensszenarien einiger
übereifriger Politiker Glauben schenkt, dann sind aber
doch eben diese Terroristen in ein Netzwerk eingebunden,
welches unbegrenzte finanzielle und damit auch technische
Mittel zur Verfügung hat. Sie wären also, wenn schon
nicht selbst in der Lage, solche Quelltexte zu analysieren
und zu verändern, dann in der Lage sich das dafür
erforderliche Wissen zu kaufen.
Ist das aber alles doch nicht so, dann muss man schon
fragen, was dieses ständige Ängsteschüren bewirken
soll.
Gute Frage - ich habe aber keine Antwort darauf. Lediglich die relativ sichere Vermutung, dass sich nur solche "Mammut"-Themen und -Ängste als Sündenbock genügend beeindruckend verkaufen lassen, um sich die Legitimation für nachhaltige staatliche (und auch stattliche) IT-Kontrollstrukturen zu verschaffen.
Genau in diesem Sinne hat mir gegenüber mal ein BKA-Mensch schon in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre, als das Internet noch relative "jung" war, "gestanden", dass das Thema "Kinderpornographie" schon damals bewusst medial gepusht worden war, um aus den seinerzeit in Sachen Internet erst recht noch völlig unbeleckten politischen Budgetverwaltern Mittel für Online-Polizeiarbeit herauszuleiern - auch für an sich gutgemeinte Polizeiarbeit z.B. in Sachen Internetbetrug (eBay lässt grüßen...).
Wenn man bedenkt, was da z.B. für Figuren zu Terroristen
mutiert sind (unsere Kofferbomber oder andere z.B. in
England), fällt auf, dass auch nicht jeder von ihnen die
entsprechende Logistik im Hintergrund hat(te).
Ich denke, Du widersprichst Dir, bzw. Deiner Argumentation
selbst ein wenig. Was denn nun? Haben diese
Terrororganisationen die Mittel alles und jeden zu kaufen
oder haben sie diese nicht.
Nicht alle haben die Mittel, denke ich.
Wenn ja, sind Bundestrojaner
schlicht und einfach albern, wenn nein, dann sind sie
nichts weiter als ein gefährlicher Rechtsbruch.
Sicher das - sowohl albern als auch gefährlich.
Und bei dem Wissensstand auf politischer Ebene,
wie ihn ja auch andere in dieser Diskussion schon
konstatiert haben, ist letztlich nichts unmöglich.
Ich erwarte und verlange von keinem Politiker, dass
er unbedingt weiss, wie Datenübertragung im
Internet funktioniert. Ich erwarte von solchen Leuten
aber, dass sie sich von wirklichen Fachleuten
beraten lassen und nicht von irgendwelchen
Lobbyisten, die ihnen nur nach dem Mund reden.
Eine sehr hohe Erwrtungshaltung... Warum dieser aber gerade in Sachen Internet entsprochen werden sollte, während die Beratungsresistenz doch allenthalben grassiert...?
;-)
Abseits jeglicher Pro- oder Kontra-MS-Ideologisiererei
sollte schon auffallen, dass auch an Open Source
mittlerweile milliardenschwere Geschäftsinteressen
hängen.
Ich denke, da hast Du Dir aber das falsche Ziel ausgesucht.
Dass irgendwelche Unternehmen Open Source für ihre
Geschäfte nutzen, ändert doch nichts am Gedanken von
Open Source. Eben wirklich offenen und öffentlich
zugänglichen und damit für jeden kontrollierbaren
SourceCode.
Dass es Politiker gibt, die dumm genug sind zu glauben,
man könnte Open Source verbieten, oder auch nur dazu
verpflichten, bestimmte Dinge zu tun oder nicht zu tun,
kann ich mir allerdings schon vorstellen.
Eben nur genau *diese Möglichkeit der Dummheit* wollte ich in diesem Kontext angesprochen haben. Und nichts, *überhaupt nichts*, pro oder kontra Open Source oder Microsoft oder sonstwas.
Ich hoffe dann
aber doch, dass es noch genug denkende Menschen
in unserem Lande gibt, die solchem Treiben
doch noch rechtzeitig einen Riegel vorschieben.
Hoffen wir es. Hoffen wir, dass eine vernüftige Lösung gefunden werden kann, sicherzustellen, dass das Internet einerseits nicht irreversibel zu einem völlig rechtsfreien Raum wird und andererseits trotzdem Freiheit und Privatspähre gewährleistet werden können.
Viele Grüße
Harald M. Genauck
.
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